Geiseltalsee (2026)

Am 24.03.2026 startete ich zur vierten Seeumrundung im Rahmen der Iron Lake Challenge Sachsen-Anhalt. Nach Halle bin ich mit der S-Bahn S5X gekommen. Der See ist von Halle aus mit der S-Bahn S11 erreichbar. Man könnte an mehreren Stationen die Tour beginnen, ich habe mich für Mücheln-Stadt entschieden, dass erschien mit am sinnvollsten, um den See zu erreichen.

Der kleine Zug kam mit etwas Verspätung in Mücheln an und ich lief auch gleich hinunter zum Viadukt, hindurch und dann zum See. Über den Viadukt Mücheln fährt die S11 eingleisig weiter nach Querfurt. An der nächsten Station, die einfach Mücheln heißt, wartet dann der entgegenkommende Zug. Die Geisel, die etwas mehr als einen Kilometer entfernt in St. Micheln entspringt, fliesst hier in den Geiseltalsee.

Ein anderer Arm des Flüsschens fliesst allerding um den See herum. Dazu später. Erstmal ging es durch die Marina von Mücheln. Hier gab es Boote, Hausboote und eine Sonnenuhr. Außerdem gab es eine große Ansammlung von Polizei- und Rettungsautos – vermutlich eine Übung. Auf dem Asphalt begann nun die offizielle Seeumrundungskilometerzählung mit 0,0 km. Der Seeweg ist übrigens 24,5 km lang.

Etwas später ein wasserloser Zufluss zum See: die Stöbnitz. Vielleicht kommt hier bei Regen und Schneeschmelze noch Wasser an. Stöbnitz heißt auch der naheliegende Ort, der ein ortsteil von Mücheln ist. Der Weg bog nun nach links ab. Es folgte ein Single Trail, der steil den Berg hinauf führte. Das waren höchstens 20 Höhenmeter, hat aber gereicht. Bei Regen wird es vermutlich schlammig und unpassierbar.

Oben wartete der 15m hohe Aussichtsturm „Pauline“, der 2003 errichtet wurde. Auch ohne auf den Turm zu klettern hat man hier eine schöne Aussicht – allerdings nur über Teile des Sees. Der Geiseltalsee hat eine weit hineinreichende Halbinsel und kleinen Inseln in der Mitte des Sees, so das es keine überschaubare See-Ansicht gibt. Alle paar Kilometer sieht man einen anderen See, dass ist aber manchmal auch recht reizvoll.

Sehr auffällige Tiere am See waren die Schwarzkäfer (manche sagen auch Dunkelkäfer), die um den ganzen See herum fröhlich über den Asphalt marschierten und völlig die Radfahrer ignorierten. Lustigerweise stammen die ältesten Funde von Schwarzkäfern aus den Braunkohlelagen des Geiseltals und waren aus dem Mittleren Eozän, also 40 Millionen Jahre alt. Die Bienenfresser habe ich nicht gesehen, die bunten Vögle sollen dort einen Kolonie haben.

An der Halbinsel lief ich vorbei. Dort ist übrigens das Geiseltal Camp, ein Strandbad, ein Tauchzentrum und der Standort des SNT Festivals. Dann drohte das Schild „Weinberg“ bereits das Unheil an. Auf ungefähr drei Kilometer ging es nur bergauf. Normalerweise hat man auf Seeumrundungen eher keine Höhenmeter – hier gab es welche. Am Ende sollte die Strecke mit fast 200 Höhenmetern zu Buche schlagen.

Oben auf dem Berg wartete die „Europäische Begegnungsstätte der Kulturen“, vermutlich jetzt im Merz geschlossen. Dafür gab es wieder eine Sonnenuhr. Wieder ein anderer Sicht auf den See. Ich vermute stark hier werden Trauben für Spätburgunder angebaut. Nein ich habe keine Ahnung von Rotwein, ich habe das Schild gelesen. Das Restaurant „Weinberg Goldener Steiger“ hatte geschlossen. Der Weinberg ist übrigens eine alte Abraumhalde (angelegt 1955-1960).

Irgendwo auf dem Berg gibt es noch eine alte Bunkeranlage und einen zweiten Aussichtsturm. Der Bunker wurde früher von den sowjetischen Streitkräften bewohnt und heute von Fledermäusen. Für mich ging es auf dem Seerundweg wieder steil abwärts. Verkehrsschilder behaupteten ein Gefälle von 10%, Komoot behauptete es seien 7%. Kurz zuvor ereigenete sich hier ein schwerer Verkehrsunfall, wobei die Fahrzeugreste der Joskin-Landmaschine lieblos im Straßengraben zurückgelassen wurden. Der Fahrzeugführer hat vermutlich geweint.

Der Rundweg führte nun zur Halde Blösien, die (noch) keinen angenehmeren Namen bekommen hat. Hier fiel eine steile Abbruchkante zum See hin auf. Man hörte hier übrigens eine laute Brandung, ein Problem bei vielen großen Seen. Bei Frankleben, dort gab es eine Art Strand, brachen daher Bunen den Wellengang. Nach 15 Kilometern machte ich nun mal eine Pause und aß eine Riegel, einen Quetschie und trank etwas Magnesium-Wasser. Fünf Minuten Pause, dann gleich weiter.

Der Geiseltalsee ist ein alter Braunkohletagebau, der 1993 stillgelegt wurde. Danach wurden die Böschungskanten saniert (abgeflacht) und 2003 mit der Flutung begonnen. 2011 war die Flutung beendet, es entstand der größte künstliche See Deutschlands (inzwischen abgelöst vom Cottbuser Ostsee). Dazu gab es eine Rohrleitung zu Saale. Ich kam an eine weitere Wasseranlage. Ich vermutete, hier wird Seewasser in den alten Lauf der Geisel geleitet. Es war auch Wasser zu sehen. Ein wenig später ein weiterer aber trockener Zulauf von der umgelegten Geisel.

Es ging am dritten Berg vorbei – der Halde Pfännerhall. Es folgte die Marina Braunsbedra (in Neumark). Dort gibt es ein Schaufelrad, den 14 Meter hohen Aussichtsturm Leonhardt und eine Seebrücke. Hier kann man am Wochenende mit der MS Geiseltalsee über den See schippern. Übrigens gibt es auch einen Geiseltal-Express, der hier losfährt. In Mücheln fährt auch noch der Weinberg-Express (aber nur noch zum Weinberg). Ich lief nun ziemlich schnell, den ich wollte den Zug nicht verpassen.

Auf den letzten Kilometern noch ein Irrgarten. Dieser wurde 2017 eröffnet und besteht aus 570 Metern Hainbuchen-Hecke, die in Form eines Urpferdchens angelegt wurden. Ein Fossil des Urpferchens (Propalaeotherium) wurde ebenfalls hier im Geiseltal gefunden. Dann war ich auch schon am Ziel: 24,9 Kilometer in 4 Stunden und 45 Minuten. Zum Abschluss (ich stoppte das Komoot-Tracking noch am See) ging es noch hoch zum Viadukt und als letzten die Treppe zur Bahnstation.

Dann ging es mit der S-Bahn S11 zurück nach Halle. Der Zug der hier als S-Bahn fährt ist ein „Walfisch“ (Alstom Coradia A TER) oder wie die DB sagt, Baureihe 641. Auf der Strecke sind 6 Triebwagen unterwegs, ich habe beim entgegenkommenden Zug zwei Triebwagen zusammengekoppelt gesehen. Wie beim Stadler Regio-Shuttle ist der Zug dieselgetrieben und fährt vorrangig auf kleinen Nebenstrecken. Ich fuhr dann von Halle mit der S5X nach Leipzig zurück.

Alle von mir umrundeten Seen findet ihr unter Iron Lake Challenge Sachsen-Anhalt. Weitere Informationen und andere Challenges unter rockyourgoal.de.

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