Am 2. März 2026 wurde der dritte See der Iron Lake Challenge Sachsen-Anhalt umwandert: der Muldestausee. Wie auch der Gremminer See und der Gröberner See liegt der Muldestausee an der S-Bahn S2 am Abzweig in Richtung Lutherstadt Wittenberg. Losgefahren bin ich erst 11:19 Uhr und war dann gegen 12:00 Uhr in Muldenstein. Der Ort empfängt seine Bahnbesucher mit einem leer stehenden und verfallenden Bahngebäude.



Muldenstein könnte seinen Namen von dem Steinberg erhalten haben, der heute aber heute Muldensteiner Berg heißt. Das ist ein alter Vulkan mit einem Hochbehälter als Krone. Ich lief auf „Am Bahnhof“ zur Bahnhofstraße in Richtung Muldestaudamm. Auf der erster Straße war leider kein Fußweg. Bis zur Lokomotive am Stausee sind es erstmal eineinhalb Kilometer. Ich habe das Komoot-Tracking gleich am Bahnhof gestartet, falls das jemand nachwandern will.



Direkt am Wanderweg um den See herum steht eine feuerlose Lokomotive. Die aus dem Jahr 1955 stammende Dampfspeicherlokomotive „2“ aus Babelsberg steht seit 2000 nach liebevoller Restaurierung am Muldestausee. Eine Dampfspeicherlokomotive muss das Wasser im Kessel der aus einem externen Dampfkessel beziehen. Das hat den Vorteil, dass da kein Feuer ist, was z.B. in chemischen Werken zu Explosionen führen könnte. Die Lok stammt aus der Chemie-Bude in Buna.



Auch an diesem See wollte man etwas für den Tourismus tun und hat an der Nordseite eine Art Lehrpfad angelegt. Leider war nicht herauszubekommen, welches Tier da Durchfall auf dem Weg hatte, aber es hat Körner gefressen. Naja, dafür gab es Fährtenkunde und eine Weitsprunganlage mit einer Tafel der Sprungweite von Tieren. Jedenfalls wurde kein Waldelephant gefunden. Am Anfang des Weges gab es Pionierbäume, später dann Kiefern und noch später Segler.



Der Muldesegler e.V. widmet sich dem Segeln, Surfen und Paddeln auf dem Muldestausee. Sie haben sich da sehr liebevoll eingerichtet, es gibt sogar einen kleinen Leuchtturm. An dieser Stelle hab ich mal die Jacke ausgezogen und bin im T-Shirt weitergelaufen. Schönes Sonnewetter bei 14°C. Die Wanderung war als kleiner Probelauf für den Mammutmarsch am Sonnabend geplant. Es ging aber eher gemütlich ans Wandern.



Im Haus am See, ein paar Meter weiter, kann man sich über die Entstehungsgeschichte der Gegend informieren. Nördlich des Muldestausees gibt es zwei Naturschutzgebiete: Schlauch Burgkemnitz und Tiefkippe Schlaitz. Beides sind zugeschüttete Braunkohletagebaugruben. Es stieg so massiv der Grundwasserspiegel, dass eine landwirtschaftliche Nutzung nicht möglich war. So hat man die zwei Gebiete einfach der Natur überlassen. Kleines Paradies.



Der Muldestausee ist auch nicht einfach ein Stausee, sondern ebenfalls eine ehemalige Braunkohlegrube. Die Mulde wurde wegend es Tagebaus Goitzsche (den dort entstandenen See werde ich auch noch umwandern) damals umgelegt und einfach durch die Grube gelegt. Durch die Tiefe der Grube und die Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit bleiben die Sedimente im See, wodurch die Mulde im weiteren Verlauf ein tieferes Bett gräbt.



Nach ziemlich genau 10 Kilometern erreichte ich das Einlassbauwerk des Stausees. Dort ist die Bundesstraße 100, die in einer Brücke hinüber führt. Darüber bin ich früher mit dem Fahrrad nach Ferropolis gefahren. Die Brücke schafft den Verkehr nicht mehr und wird durch einen Neubau ersetzt. Es gibt eine große Halle für die Brückenelemente, die dann im Vorschub über die Pfeiler geschoben werden, von denen schon einige errichtet wurden.



Leider konnte man am anderen Ende der Brücke nicht zum Uferweg hinunter, da die Treppen abwärts gesperrt waren. So bin ich dann oberhalb des Stausees durch Pouch gelaufen. Der Ort liegt auf einer Landzunge zwischen den ehemaligen Tagebauen Goitzsche und Muldenstein, also heute zwischen den beiden entstandenen Seen. Die Halbinsel Pouch (im Goitzschesee) habe ich vor etlichen Jahren zu Musikfestivals mit dem Fahrrad besucht. Damals fand dort das Splash und das Sputnik Spring Break statt.



Zum Muldestausee hin, stehen kleine Ein- oder Mehrfamilienhäuschen. Gleich zu Beginn gab es sogar ein Neubauprojekt. Am Seglerverein, bei 12 Kilometern, ging es dann wieder herunter auf Seeniveau. Auch hier haben sich Wassersportler gemütlich eingerichtet. Der folgende Weg, zum Teil als Single-Trail, führte nun in unmittelbarer Ufernähe nach Friedersdorf. Links und rechts mit sehr vielen Dornenpflanzen. Zum Teil musste man über oder unter Baumstämme klettern.



Ich stelle ja die Wandertracks nun immer bei Komoot ein. Daher mal ein Hinweis zum Weg: Diese Passage (von Kilometer 12 bis 15,5) sollte man nur zwischen September bis März laufen, da man sonst die brütenden Wasservogel stört. Einige der posierlichen Tierchen waren schon beim Nestbau. Eine Ausweichstrecke geht von Pouch über Mühlbeck nach Friedersdorf. Ich bin aber dreieinhalb Kilometer durchs Gestrüp. Zwischendurch schöne Aussichten auf den See (die Sonne stand nun besser).



Dann gab es tatsächlich mal ein paar merkbare Höhenmeter. Es ging einen kleinen Anstieg hinauf nach Friedersdorf. Dort gab es eine Rodelstrecke, Hühner und einen kleinen beschaulichen Ort. Und, kurz vor der Staumauer, natürlich einen weiteren Verein: den Wassersportclub Friederdorf. Hier gibt es eine Regattastrecke für die Kanuten und (wenn ich das richtig deute) eine im Wasser stehende überdachte Tribüne. Am Auslassbauwerk wartete erstmal ein kleiner weißer Hund, der versuchte den Verkehrslärm zu übertönen und alle Fußgänger und Radfahrer anzubellen.



Auch über das Auslassbauwerk führt eine (viel befahrene) Straße. Es gab rechts eine Fischtreppe und links eine Anlage zur Stromerzeugung. Und auf der anderen Seite dann das Ziel, die schon bekannte feuerlose Lokomotive. Bis hierhin waren es dann 17,6 Kilometer und weiter bis zum Bahnhof dann 19 Kilometer. Dort erwischte ich die S-Bahn nach Leipzig zwei Minuten vor Abfahrt am trostlosen Bahnhof. Etwas langsam unterwegs, sonst eine schöne Wanderung.



Alle von mir umrundeten Seen findet ihr unter Iron Lake Challenge Sachsen-Anhalt. Weitere Informationen und andere Challenges unter rockyourgoal.de.
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