Am 14.2.2026 war ich zum Harzmarsch von EMTI Extremwandern in Ilsenburg. Da die kürzere 20-Kilometer-Strecke bereits ausgebucht war, hab ich dann doch die lange Strecke genommen: 35 Kilometer mit über 900 Höhenmetern. Ein neuer Endgegener. In Ilsenburg war ich bereits im Februar 2025 auf einem DVV-Wanderweg unterwegs. Die Wetterprognosen hatten Temperaturen von -2 bis -6°C vorhergesagt. Da habe ich dann doch wieder Schuhspikes bestellt. Aber auch diesmal waren diese nicht ankommen.



Angereist war ich bereits am Vortag: 14:50 Uhr mit der S-Bahn S5X nach Halle und dann weiter mit dem RE 4. Ich hatte einen Sitzplatz im übervollem Zug. In Ilsenburg war ich dann 17:29 Uhr und bin gleich ins Hotel Hamburg. Am Starttag ging es nach dem Frühstück im Hotel zur ehemaligen Fürst-Stolberg-Hütte Eisengießerei an der Hochofenstraße. Dort war Indoor der Start aufgebaut und man konnte alte Eisenöfen ansehen, die an der Wand hinter Glas aufgestellt waren.



Nach dem Start brauchte das Handy wieder ein paar Minuten um die Navigation zu starten. Es ging auf den stark vereisten Straßen am Hotel vorbei zum Friedenspark und dann wieder zur Ilse. Hier bereute ich bereits keine Spikes zu haben, denn die Straßen waren schon ziemlich glatt, aber es sollte noch schlimmer kommen. An der Ilse ging es dann einen Bergpfad nach oben. Irgenwie sehr surreal, so durch die winterlichen Nebellandschaften zu wandern.



EMTI hatte den größten Berg an den Anfang gelegt. Der hatte es aber auch in sich. Es ging von einer Höhe von 280 Metern (Ilsenburg) auf 620 Meter (Stumpfrückenspitze). Der Bergpfad verwandelte sich in einen Single Trail. Es ergaben sich herausragende Ausblicke ins nebelige Ilsetal und auf Ilsenburg. Schönen Gruß, ich komm zu Fuß. Es ging trotz heftiger Atmung doch recht gut den Berg hoch.



Wir erreichten den Serpentinenweg, den ich von der DVV-Wanderung kannte, und gleich darauf den Ilsenstein. Hier gab es den Stempel 30 der Harzer Wandernadel, den ich aber schon hatte. Also ging ich gleich weiter, denn ein Drittel des Berges gab es noch. Der Weg war ziemlich vereist und so musste ich an der Seite im Schottergeröll laufen. Sehr bewunderswert, wie hier noch Wanderer, fast im Laufschritt, vorbeigezogen sind.



Recht unspektakulär war dann der Gipfel, der bei Kilometer 6 erreicht wurde. Leider begann nun der schwierigste Teil der Wanderung: der Abstieg von 620 Meter Höhe auf 300 Meter auf einem völlig vereisten Weg über weitere 5 Kilometer. Hier bereute ich dann richtig, keine Schuhspikes zu haben. Rutschpartie. Erstaunlich, das ich mich nicht hingelegt habe. Die Wanderer die die Schuhspikes hatten, konnten recht zügig den Berg wieder runter.



Erstaunlich, das ich mich nicht hingelegt habe. Ab der Hälfte des Abstiegs konnte man links oder rechts des Weges in der Wasserablaufrinne laufen. Da war es schlammig und zum Teil hingen Brombeer-Dornen herum, aber zumindest kam man vorwärts. Irgendwann das 10-Kilometer-Schild. Fast ein Drittel rum, Komoot zeigte 4,2 km/h. Schließlich war der Abstieg auf dem Talweg durch die nebeligen Berge entlang des Tänntalbaches überstanden.



Das Tänntal führt zwischen den Bergen nach Oehrenfeld. Die Berge waren Kantorberg, Nackter Stein, Schloteberg und Spitzenberg. Leider konnte man nicht so oft nach oben gucken, das es halt recht glatt war. Am Kloster Drübeck, nach 12 Kilometern, wartete der VP mit warmen Essen und Getränken. Es gab Spirelli mit Tomatensoße und einen Schluck Magnesiumwasser. Nicht ganz 10 Minuten Pause. Mehr brauchte es auch nicht, da es ja recht langsam voran ging.



Das Nonnenkloster Drübeck (Benediktinerinnen-Abtei) wurde von einem Otto I. im Jahr 960 erstmals und 2026 von einem gewissen Luro auf einem Wanderblog letztmalig erwähnt. Sehenswert ist auch der Klostergarten – dafür hatte ich aber keine Zeit. Irgenwo gab es auch einen Stempelkasten für den Klosterwanderweg. In Drübeck trennten sich die Strecken. Die 20-Kilometer-Wanderer liefen zurück nach Ilsenburg, die anderen Wanderer bekommen nun die extra 15-Kilometer-Schleife.



In Drübeck ging es auf der Hauptstraße an der Kirche vorbei zu einem Feldweg. Dort wartete ein Hund, der jeden Wanderer böse anbellte. Der Ärmste war sicher am Abend heiser. Dann ging es weiter nach Darlingerrode und noch weiter zum nächsten Berg. Diesmal nicht ganz so hoch, dafür die Wasserscheide zwischen Ilse (die zur Weser fliesst) und Holtemme (die zur Elbe fliesst). Noch ein Stempel vom Klosterwanderweg an einer schönen Bank an einem Weg der Himmelpforte heißt.



Eigentlich war Himmelspforte der Name eines Klosters. Nach einem kleinen Single-Trail das Luther-Denkmal, das am ehemalgen Standort des Klosters. Heute gibt es dort Sitzbänke zum Ausruhen. Dann ging es wieder bergab und letztendlich gelangten wir nach Hasserode. Da war dann auch die Hälfte der 35-Kilomter-Wanderung geschafft. Neben der Bahnstrecke, entlang der bereits genannten Holtemme, ging es nun nach Nordosten.



Auf der linken Seite des Weges gab es einen geheimnisvollen Stollen, auf der anderen Seite einen Wohnpark der an eine alte Schokoladenfabrik erinnert. Von der Fabrik steht nur noch ein altes Heizhaus. Ehemalige DDR-Bürgern kennen vielleicht noch Brockensplitter, Nougattüten und Harzer Tröpfchen die in der 1935 gegründeten Argenta Schokoladenfabrik hergestellt wurden. Hasserode ist ein Stadtteil von Wernigerode. Ab und zu konnte man ins nächste Tal blicken und das Wernigeröder Schloss im Nebel sehen.



Das 20-Kilometer-Schild und schon kam der dritte Berg. Vielleicht sollte man es eher Bergkette nennen: Ratskopf, Weinberg, Ziegenberg. Ein Gipfelweg mit Single-Trail-Charakter und Wasserspeicher. Und wenn es nicht so neblig gewesen wäre, hätte man am Ziegenberg eine weitere schöne Aussicht auf das Schloss Wernigerode gehabt. So lugte das Schloss surreal aus dem Nebel. Manchmal ist das schöner, als die Postkarten-Ansichten. Und es ging wieder abwärts nach Darlingerode.



Wir überquerten die Bahnstrecke in Darlingerode. Im Ortsteil Altenrode gab es Pferde und einen zweiteiligen Betonweg. Obwohl es fast die ganze Zeit leicht schneite, hatte ich die Kapuze nur selten aufgesetzt, weil das einfach zu warm wurde. So rannte ich dann mit nassen Haaren durch den Winter. Während ich noch darüber nachdachte, warum ich bei so etwas noch nie eine Erkältung bekommen habe, luckte aus der Nebelwand am Horizont der Karrberg hervor. Ach war das schön.



Schließlich war die 15-Kilometer-Extraschleife zuende. in Drübeck ging es wieder zum VP am Kloster. Diesmal futterte ich eine Wiener und leerte die Termosflasche mit dem isotonischen Wasser. Wieder nur zehn Minuten Pause. Die letzten 8 Kilometer wollte ich schnell hinter mich bringen. Es ging erstmal die ein paar hundert Meter die Straße entlang und dann den Schützenweg zum Schützenhaus.



Auch hier gab es nochmals Höhenmeter. Schließlich bog der Weg einfach als Single-Trial nacht rechts ab und man stand im Klostergarten des Klosters Ilsenburg. Ohne Komoot wäre ich einfach geradeaus weitergelaufen. Die Klosteranlage der Benediktiner stammt aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Nun ging es durch Ilsenburg zum Ziel. Die Wege wurden nochmals ordentlich eisig. Die letzten Straßen verursachten einen leichten Zivilisationsschock.



Schließlich am Ziel gab es einen Pokal, eine Urkunde, Marken für die Stempelkarte und ein Finisher-Getränk, das meinem Magen dann aber den Rest gab. Letztendlich waren es 7 Stunden und 49 Minuten, also 4,6 km/h auf 36 Kilometer. Komoot meinte, es seien 780 Höhenmeter gewesen. Da ich sowieso nicht auf die Zeit geschaut habe, war das eine sehr schöne Wanderung, professionell vom EMTI organisiert, ein Highlight in diesem Jahr.



Am Sonntag ging es dann gleich 8:31 Uhr zurück nach Leipzig. Diesmal war der RE4 leer und ich konnte in Ruhe diesen Text schreiben. Die S5X war dann 11:05 Uhr in Leipzig. Weiter geht es im März mit dem Mammutmarsch Leipzig.
Videos gibt es von:
Steffen unterwegs



Antworten