Mammutmarsch München I (55km) und Mammutmarsch München II (30km)
Direkt eine Woche nach dem Mammutmarsch in Leipzig wollte ich nun diesmal gleich zwei Mammutmärsche an zwei Tagen absolvieren. Zuerst, am 14. März, über 55 Kilometer und am Sonntag, 15. März 2026, dann nochmal über 30 Kilometer. Das sollte natürlich als Vorbereitung für einen 100-Kilometer-Marsch dienen, den ich dieses Jahr in Angriff nehmen will.

Bereits die Buchung wurde etwas kompliziert: am Starnberger See gab es keine freien Hotelzimmer. So suchte ich dann ein Hotel im Stadtteil Laim, welches direkt an der Stammstrecke bzw. S-Bahn S6 liegt und verdächtig billig war. Die S-Bahn fährt zum Start am Starnberger See. Eigentlich. Nach München bin ich am 13.03.2026 mit dem ICE gekommen. Zum Hotel mit der S-Bahn. Dort bin ich ziemlich schnell weggeschlafen, nach liebevoller Tötung von drei Silberfischen.

Erstes Problem: den Fotoapparat zuhause gelassen. So musste ich mit dem Handy knipsen. Die Umschalterei zwischen Foto-App und Komoot ist aber sehr lästig, daher diesmal etwas weniger Fotos. Zweites Problem: die S-Bahn fährt nicht am Vormittag beider Tage, ab Gauting musste man bis Feldafing den Ersatz-Bus nehmen. Das klappte ganz gut, leider war der Bus aber deutlich langsamer als die S-Bahn und so verpasste ich meine Startgruppe. Der Weg zum Start dauerte auch nochmal ein paar Minuten.

Das war aber kein Problem, ich hab einfach die nächste Startgruppe um 09:30 Uhr genommen. Nur ein paar Minuten im Startkanal, dann ging es auch schon los. Außer mir waren da aber nur noch Wanderer der 30-Kilometer-Strecke, den ich hatte eh schon die letzte Startgruppe der 55er gebucht. Der Start war übrigens im Buchheim-Stadion, benannt nach einem ehemaligen Bürgermeister, in Feldafing. München wurde nicht tangiert, daher hätte es eigentlich Mamutmarsch Feldafing heißen müssen.


Vom Start ging es direkt zum Starnberger See und dann am See entlang nach Süden. Es war schönes Wetter, am Horizont im Nebel irgendwelche Berge. Der Starnberger See, der bis 1962 Würmsee hieß, wird durch zahlreiche Bäche und Quellen gespeist. Der Abfluss ganz im Norden ist die Würm, die dann in die Amper fliesst. Die einzige Insel im See ist die Roseninsel. Die Parkanlage wurde von Lenné gestaltet, die Villa Casino von Kreuter und eine Glassäule mit Mädchen nach Berges.


Es ging gemütlich bis sportlich am See entlang. Irgendwo am gegenüberliegenden Ufer ist der bayerische Märchenkönig unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Nach ungefähr sieben Kilometern gelangten wir nach Tutzing. Dort gibt es eine goldene Maria (Patrona Bavaria) und ein Schloss. Es ging kurz die Straße entlang und dann folgte auch schon der erste VP: das Südbad Tutzing.


Hier trank ich erstmal einen Kaffee, denn ich hatte kein Frühstück im Hotel. Nach dem VP trennten sich die Strecken: wir 55er mussten weiter am Starnberger See entlang über Unterzeismering nach Bernried. Von Bernried ging es nun weiter in Richtung Westen. Die Wege warteten mit Tretminen vom Pferd auf, zum Teil ein Hindernislauf zwischen den Häufchen. Am Ende hatte ich zwei Kilometer zuviel bei Komoot.


Nun schlug langsam das Wetter um. Es wehte ein kühlerer Wind, später begann es dann zu nieseln. Ich musste mir bis dahin lustige Kommentare anhören, da ich die ganze Zeit im T-Shirt mit Fleece-Pullover herumlief. Irgendwie kommt bei meinem Ultraleicht-Rucksack niemand auf die Idee, da könnte eine Regenjacke und ein Regenschirm hineinpassen.


Also die Regenjacke angezogen. Dann ging es mit Starkregen von links vorn weiter und der Regenschirm wurde auch noch aufgespannt. Ich freute mich richtig, auf den zweiten VP, der bei Kilometer 21 kommen sollte und träumte von Kaffee. Leider kam da kein VP, sondern nur ein paar Toilettenhäuschen. Irgendwo unter einer Eisenbahnbrücke, bei Kilometer 24, machte ich eine kleine Mini-Pause und fragte eine Mitwanderin.


Es stellte sich heraus, dass der VP erst bei Kilometer 27 kommt. Da der Komoot-Track sehr genau war, dachte ich, ich hätte es falsch abgeschrieben. Es stellte sich nachträglich heraus, dass im PDF tatsächlich 21 Kilometer stand. Vielleicht war das noch eine alte Strecke. Nun, es ging nach Norden und in Pähl gab es dann den zweiten VP am Sportplatz. Ich schnappte mir eine alte Pappe und setzte mich drauf. Nun war die Hälfte der Strecke schon erwandert.


Pähl war der tiefste Punkt und nun folgte der Anstieg mit 200 Höhenmetern. In der Ferne die Erdfunkstelle Raisting. Dann wieder abwärts, und letztendlich auf einem Single-Trail weiter und wir liefen zwischen dem Bärlauch auf den „heiligen Berg“ Andechs. Nach einer letzten kraftraubenden Treppe, waren wir im Benediktinerkloster Andechs, dem zweitgrößte Wallfahrtsort Bayerns. Hier gibt es ein Dutzend Mönche, eine Klosterbrauerei und sehr leckeren Käsekuchen beim dritten Mammutmarsch-VP.


Es gab nichts zu trinken, oder ich habe es nicht gesehen. Ich setzte mich unter ein kleines Dach in den Dreck. Die Beine brauchten eine Pause. Es regnete immer noch. Immer öfter sah man an Bushaltestellen oder einfach am Wegesrand Aussteiger sitzen. Das Wetter ist nicht jedermans Sache. Auch ich hatte kaum noch Lust irgendwelche Fotos zu machen. Irgendwann folgte der VP 4. Es war schon dunkel und ich lief mit Stirnlampe.



Nach VP 4 auch eine völlig unterkühlte Wanderin in der Rettungsdecke im Krankenwagen. Mir war an den Händen kalt und ich habe ab und zu die Jackenärmel über die Hände gezogen. Wenn man in Bewegung bleibt, heizt der Körper aber auch genug. Die letzten Meter ging es vom Starnberger See zurück zum Buchheim-Stadion: bergauf mit zwei Treppen. Inwischen gab es Eisregen. Die mit Schlamm bespritzten Hosen wurden aber nicht mehr sauber.


Im Ziel dann Medaille und Finisher-Bändchen. Außerdem gab es für Mammutmärsche in fünf verschiedenen Orten den „Frequent Hiker“-Patch. Komoot meinte 5 km/h und 700 Höhenmeter. Ich war ganz zufrieden. Zwei Blasen merkte ich schon. Eine Viertelstunde mit der Finisher-Fanta ins Stadion gesetzt und dann einen Kilometer zur S-Bahn, die nun wieder fuhr. Eigentlich. Die Stammstrecke war kurzzeitig gesperrt und so musste ich in Pasing auf die nächste S-Bahn warten. Betonteile auf der Schiene?
Im Hotel war ich dann gegen 22:30 Uhr und hab dann erstmal geduscht. Leider kam das in dem hellhörigen Haus nicht ganz so gut. Da wurde fröhlich an die Wände geklopft. Überhaupt war da Party bis früh um 5. Gegen 07:30 Uhr klingelte der Handy-Wecker. Diesmal Frühstück. S-Bahn bis Gauting. Erstzverkehr. Und wieder zu spät: die Startgruppe von 10:15 Uhr war schon los. Egal die nächste genommen.


Am zweiten Tag gab es nur die 30er Strecke. Und die ersten sieben Kilometer bis zum VP 1 im Südbad Tutzing, war dieselbe Strecke wie am Vortag. Früh hatte ich in der S-Bahn gelesen, dass in Starnberg, am Nordende des Starnberger Sees, am Vortag der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas verstorben sei. Daher ging es etwas nachdenklich los, das schöne Wetter vertrieb aber die schlechten Gedanken.


Dann gab es aber auch gleich wieder dicke Regenwolken. Geregnet hat es dann aber nicht. In Tutzing gab es nach dem Kaffee die andere Strecke, die ich noch nicht kannte. Erstmal schön den Berg hinauf – an Ende waren es dann auch 300 Höhenmeter. Zwischendurch der schöne Deixlfurter Weiher. Ich machte da mal eine Kurz-Pause, da der Schnürsenkel dauernd aufging.


Unterwegs gab es auch eine Influencerin, mit eigenem Kameramann, die sehr gestenreich den Mammutmarsch kommentierte. Die zwei habe ich kurz vor dem Ziel wiedergetroffen. Da sind sie an mir vorbei gejoggt. Ein Video habe ich leider nicht im Netz gefunden.


Immer weiterlaufen…


Am zweiten VP (der vierte VP am Vortag), begann dann die wieder die bekannte Strecke. Diesmal war es noch hell genug für Fotos. Erstaunlich, dass die Strecke bei Licht viel anstrengender aussah, als am Vortag beim Schein der Stirnlampe. Dafür hab ich noch ein paar Fotos machen können.


Im Ziel gab es Urkunde, Medaille, Finisher-Bändchen und den 300-Kilometer-Patch. 4,9 km/h. Auf zur S-Bahn, zurück zum Hotel, geduscht und ins Bett. Nach 85 Kilometern ging es mir noch erstaunlich gut. Am nächsten Tag Heimreise mit einem übervollem ICE. Tja, es sieht so aus, als ob ich nun tatsächlich mal einen 100er in Angriff nehme.
Videos von: Herr Wanderwege, Frau Wanderwege