Yeti Trail – Adventure Hike Pleinfeld
Am 25.1.2026 startete im fränkischen Pleinfeld der Yeti Trail 2026. Der Yeti Trail ist eher für Trail Runner, aber man konnte die beiden Laufstrecken auch wandern. Ich fuhr bereits am Vortag mit dem Sprinter-ICE und der RB nach Pleinfeld. Der Sprinter glänzte mit 299 km/h. Mit Geschwindigkeit hatte ich mich schon im Vorfeld beschäftigt, denn ich vermutete das ich bis zur Schließung um 16:00 Uhr nicht ins Ziel komme, wenn ich die lange Strecke laufe.


Dann kam der Komoot-Track vom Veranstalter und sagte, die lange Strecke sei 26 Kilometer lang und die kurze 16 Kilometer. Da habe ich mich für die lange Strecke entschieden, schließlich fährt man nicht für 16 Kilometer nach Bayern. Zur Anmeldung am Morgen gab es einen Button zum Anstecken und einen Briefumschlag mit Startnummer, Aufkleber, Nahrungsergänzungspulver, sowie eine Dose Spezie. Und ein verwirrender gelber Zettel mit der Startzeit 10:20 Uhr.



Es startete dann doch 10:45 Uhr – wie geplant. Aber zuerst liefen die Trail Runner der Langstrecke mit den schwarzen Startnummern davon, dann die Trail Runner der Kurzstrecke mit den roten Nummern und übrig blieben die blauen Nummer: die Wanderer. Die Idee, die Wanderer zuerst starten zu lassen, hatte der Veranstalter aufgegeben. Die meisten Wanderer waren vermutlich aus der Gegend und hatten Bergerfahrung. Ich hoffte nicht der Letzte zu werden…



Gleich nach dem Start kamen die ersten Abweichungen der ausgeschilderten Strecke vom Komoot-Track. Ab Kilometer 4 kriegte ich dann „Kalt. Hart. Unvergesslich.“ (Motto der Veranstaltung) bis zum Abwinken. Dann kam so ein „Anstieg des Todes“ – geschätzt über 20%. Ich musste einige kleine Pausen machen. Verbunden mit furchtbarem Gejapse. Den oberen Teil musste ich dann von Baum zu Baum hüpfen. Oben wartete eine bekannte Asphaltpiste – dort war ich zum Wolfsmondmarsch herauf gelaufen. Diesmal ging es abwärts nach Ramsberg.



Dort wartete die Fähre – der Trimaran trägt den Namen des Sees. Es ging am See entlang. An der Anlegestelle Ramsberg versuchte ein Mann sein Wasserfahrzeug, ein elektrisches Hydrofoil-Board, zu besteigen. Ungefähr so erfolgreich, wie ich beim Bergsteigen. Am Wohnmobilstellplatz wartete dann Michael Snehotta von Seenland.events und feuerte die Wanderer an. High Five. Er ist neben Jens Zimmermann von den Rats-Runners einer der Veranstalter des Yeti Trails.



Dann ging es durch den Wald am Regelsberg bis zum Ufer des Brombachsees, wo es nach kurzer Strecke auf einer völlig vereisten Straße, wieder den Berg hoch ging. Dann folgte der VP (es gab nur einen) und die Streckenteilung. Ich lief mit einem Apfelstück und einem Schokoriegel mit Yeti-Trail-Aufkleber weiter die Straße entlang den Berg hoch. Oben gab es dann heißes Magnesium-Wasser aus meiner Thermoskanne und ich guckte mir die neugierigen Tiere an.



Nun ging es wieder zum See. Wir umkreisten ein Gelände, welches in den 1930er Jahren als Lufthauptmunitionsanstalt Langlau errichtet wurde. Hier wurde Munition für den 2. Weltkrieg hergestellt, u.a. von ukrainischen Zwangsarbeiterinnen. Später war die Bundeswehr und die US-Army auf dem Gelände, aber auch eine Klavierfabrik. Die Baracken wurden als Unterkünfte für Spätaussiedler genutzt. Gegen eine Nutzung als Center-Park-Resort entschieden sich die Anwohner.



Einstweilen ging es immer am Zaun entlang. Immermal konnte man schöne Ausblicke auf den See geniessen. Andererseits folgten – wie auch auf der restlichen Strecke – Eisfelder, die etwas Konzentration verlangten. Mein Respekt vor den Leuten, die hier vorher entlang rannten, wuchs nochmal beträchtlich. Meine bei Amazon bestellten Fußschneeketten waren leider nicht rechtszeitig angekommen. Die bestanden aus sehr leichten Spiralfedern, die man sich um die Schuhe schnallt. Übrigens war auch wieder der Mann mit dem Baumstamm auf der Schulter unterwegs.



An einer Wegbiegung stand dann eine Bank und ich machte mal eine kleine 10-Minuten-Sitzpause. Nun war die zweite Thermosflasche fällig: heißes Wasser mit isotonischem Getränkepulver. Ein bisschen war die Motivation im Keller, denn danach ging es schon wieder aufwärts. Nochmal hinauf auf den Weißenberg (485 Meter). Zwischendurch verwies ein Schild mit dem Titel „Altes Schloss“ auf die Reste einer Ritterburg. Ich summte Mussorgski.



Dann führte der Weg zum Regelsberg und dem dortstehenden Gehöft, bevor der Weg nach rechts abbog und wieder hinunter zur Bahnlinie bei Veitserlbach führte. Dann ging es natürlich wieder bergauf, teils auf einem Single-Trail zum VP. Der Komoot-Track war ein Witz – es stimmte irgendwie so gut wie nichts. Am VP trank ich einen Becher kalte Cola und einen Becher heißen Tee. Und dann ging es auch gleich weiter.



Einige hundert Meter ging es wieder abwärts. Dann folgte eine Straßenkreuzung in Ramsberg mit einem Steinkreuz, einem Holzkreuz, zwei Wegweisern und vier Trafokästen. Und zwei orangenen Schildern, die nach oben wiesen. Es ging nun den Weinberg hinauf. Oben wartete der Wasserhochbehälter. Sah eher aus wie ein Atombunker. Brutalistischer Sichtbeton. Daneben für die Himmelsbeobachtung die St. Jakobus Kapelle und die Sternwarte Ramsberg. Was für eine Aussicht…



Für diese Aussicht hat sich der Aufstieg schon gelohnt. Ich machte ein paar Fotos. Sah schon sehr spektakulär aus, wie der Brombachsee im Nebel lag. Hier ist auch einer der vielen Jakobswege nach Santiago de Compostela. Die Sternwarte mit dem Schiebedach wurde durch viel ehrenamtliche Arbeit vor 20 Jahren errichtet und ermöglicht Himmelbeobachtungen in Süd-Richtung.






Tja, dann ging es auch schon weiter. Auf den letzten Kilometer hab ich mich dann nochmal richtig geärgert. Die Komoot-Frau hat sich dauerbeschwert. Der Weg stimmte überhaupt nicht mehr. Wir liefen noch eine eineinhalb Kilometer-Schleife. Am Ende waren es dann im Ziel 27,3 Kilometer. Mein Ziel vor 16:00 Uhr durchs Ziel zu laufen, war dahin. Aber wenigsten habe ich die 5 km/h geschafft. Eine leichte Verbesserung gegenüber dem Nord-Marsch in Herdecke.



Leider war ich dann zulange auf das Handy konzentriert und hab mich auf dem letzen Kilometer auf dem Eis hingelegt. Ein paar Minuten tat das Bein etwas weh, dann war alles wieder gut. Die Schmerzen im Steißbein habe ich dann im Hotelzimmer bemerkt. Die letzten Meter bis zum Hotel ging es dann nochmal auf einem Single-Trail durch den Wald südlich der BrombachSeeZeit.



Im Ziel bekam ich einen der letzten Finisher-Pokale. Eine hochwertig bedruckte PVC-Yetitatze. Der Pokal ist mir leider auf dem Weg zum Hotelzimmer auseinandergefallen. Ein großes Lob an die Veranstalter für die Organisation. Besonders der 2-Meter-Mann im Yeti-Kostüm, der versuchte die Wanderer zu erschrecken, war sehr orginell. Die Laute die er von sich gab, klangen ja fast echt. Leider ist das Foto nichts geworden.



Am Morgen ging es dann durch 15-20 cm Neuschnee zum Bahnhof Pleinfeld. Die RegionalBahn fuhr pünktlich. In Nürnberg hörte es dann auf. Der ICE-Sprinter hatte eine Stunde Verspätung, wobei ich noch eine dreiviertel Stunde im Gang stand. In Halle war ich dann eineinhalb Stunden später, obwohl der ICE zwischendurch auch mal die 300 km/h schaffte. Mit der S5 nach Leipzig. Weiter geht es eine Woche später in Paderborn.
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