Am frühen Morgen des 29.03.2025, nach einer Nachtschicht, machte ich mich auf den Weg zum Hinkelstein-Marathon in die Pfalz. Ich hatte mich beim 9. Hinkelstein Wandermarathon am 30.03.2025 für die Halbmarathonstrecke mit einer Länge von 21,4 km und ca. 200 Höhenmeter angemeldet.

Mich erwartete erstmal eine zehnstündige Zugreise. 07:09 Uhr mit RB 20 nach Erfurt, 09:52 von Erfurt nach Bamberg, 11:26 Uhr von Bamberg nach Würzburg, 12:37 Uhr von Würzburg nach Osterburken und 13:36 Uhr von Osterburken nach Kaiserslautern. Dann noch mit dem Bus 130 von Kaiserslautern nach Otterberg (Stadtmitte). Ankunft 17:30 Uhr.

Dann noch der Aufstieg auf den Schlossberg zum Hotel Schielke. Dort erwartete mich eine unangenehme Nacht mit Kopfschmerzen. Ich hatte schon geplant den Marathon abzublasen, machte mich dann nach Frühstück mit Kaffee doch auf den Weg. Erstmal ging es wieder durch Otterberg. Dort gibt es interessante Häuser und Autos.

Genau 08:00 Uhr startete ich von der Stadthalle in Otterberg. Es gab keine Startwellen – man konnte einfach los laufen. Ich trank noch einen kostenlosen Kaffee und startete das Tracking. Den GPX-Track hatte ich einige Tage zuvor heruntergeladen. Die Kopfschmerzen waren weg.

Die Strecke verlief von der Otterberger Stadthalle über die Lauterstraße zum Aggenbach. Dort irgendwo soll es eine Kneippanlage geben, die aber vor den Touristen gut versteckt wurde. Nicht versteckt wurde der OTC – Otterberger Tennisclub am Mühlenwoog. Woog meint hier ein kleines stehendes Gewässer, das sich hinter dem Tennisclub befand. Dann ging es über die Straße „Am Rotenberg“ direkt in den Wald. Die Sonne kam heraus, die Wanderer warfen lange Schatten – aber es war doch recht frisch.

Hier gab es die ersten Höhenmeter – vermutlich war hier der Rotenberg – und die ersten Wanderer, die sich mit Sprüchen Mut machten mussten. Der Hinkelstein-Marathon führt übrigens entlang des Hinkelsteinweges. Der Wanderweg ist hervorrragend ausgeschildert. Manchen mag das übertrieben erscheinen, aber im Winter ist es beispielsweise bei einem Single-Trail sehr sinnvoll, wenn wirklich alle drei Bäume eine Zeichen aufgemalt ist, da man wegen des Schnees meist den Weg nicht mehr sieht.



Kilometerlang durch den Wald. Unterbrochen von Ultes-Rast. Den kleinen Rastplatz mit Holzbank habe ich nicht fotografiert, weil mich das Schild mit der Aufschrift „Schwarzwald“ irritierte. Nein, hier sollte der Ottenberger Wald sein und östlich die Mehlinger Heide. Etwas später sah man den Gedenkstein MGV Baalborn – sah eher wie ein versunkenes Haus aus. Baalborn war eine Gemeinde und wurde später ein Ortsteil von Mehlingen. Baalborn gehörte mal zur Französischen Republik, zum Napoleonischen Kaiserreich, zu Österreich und zum Königreich Bayern. Pfälzer Geschichte.



Noch ein bisschen folgte weiter der Jüdischer Friedhof Mehlingen. Auf dem um 1800 angelegten Gottesacker stehen 194 Grabsteine, überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Übrigens kamen nun die ersten Läufer des Weges. Erst ein älterer Herr im gemütlichen Joggingtempo, dann ein junger Mann, der wirlich rannte und sich die ganze Zeit gehetzt umsah. Da ich ja nur den halben Marathon lief, traf ich ihn ein zweites Mal kurz vor dem Ziel wieder.



Die Strecke führte nun zur BAB 63 und 200 Meter nach Norden. Da ist auch der Bornberg und das Baalborner Bornberg Bänkche (Bänkchen) mit Blick auf den ehemaliger US-Flugplatz von Sembach (heute Gewerbegebiet) und den Donnersberg. Dort wehte ein kühler Wind. Ich hatte über dem T-Shirt noch einen Pullover und die Fleece-Jacke und hatte eigentlich damit gerechnet im T-Shirt zu laufen. Dafür war es aber deutlich zu kühl. Dann eine Treppe „auf eigene Gefahr“ und der erste Versorgungspunkt in Baalborn.



Der Versorgungspunkt lag am Wasserspielplatz am Baalborner Bach. Ich aß eine Banane, lies meine Stempelkarte abstempeln, nahm noch eine halbe Tasse Kaffee mit und verließ eine Viertelstunde später den überfüllten VP. Am Baalborner Bach entlang ging es weiter zum Parfüm-Museum und an einem Denkmal vorbei. Baalborn baute hier hinter einem monumentalen Tor aus Sandstein ein Kreuz mit 16 darum gruppierten Steinblöcken für die Gefallenen der beiden Weltkriege.



Danach ging es bergauf. Mehrere Wanderer vor mir verpassten die Abzweigung und mussten zurückgerufen werden. Schließlich gelangte man zum Lanzenbrunner Weiher, wo ein Schild darauf hinwies, dass Baden für Pferde und Hunde verboten sei. Das Fischzuchtgewässer wird vom Lanzenbach gespeist, an dem man zum Husarenbrunnen gelangte. Was Pikachu dort treibt? Das erfolgreichste und umsatzstärkste Medien-Franchise aller Zeiten hat es bis in die Pfalz geschafft und darf nun den Brunnen bewachen.



In Drehenthalerhof gab es gleich zwei VPs oder Stempelstellen. Den VP 2 zur Streckentrennung. Dort gab es Schokolade und gesüssten Zitronentee. Am VP 3, an einem Buswartehäuschen, trafen die Strecken wieder zusammen. Hier gab es nochmal Tee. Dazwischen ein paar hundert Meter durchs Dorf: die 21-Kilometer-Abkürzung. Ich ärgerte nich ein bisschen nicht die volle Marathon-Distanz gebucht zu haben. Dann gab es die zweite Überholung des Trail-Runners, Hunde die Menschen ziehen mussten, einen Steinbruch und ein Freibad.



In Otterberg ging es durch kleine Gassen, an einer alten Synagoge und der Zisterzienser-Abteikirche vorbei zur Stadthalle, also zum Ziel. Dort gab es eine Urkunde, eine Tasche als Überraschungsgeschenk und zwei Cola. Das Abendessen nahm ich auch gleich mit. Dann ging es den Schlossberg hinauf zum Hotel und unter die Dusche.



Die Rückreise begann mit dem Bus nach Kaiserslautern. Da ich schon eher an der Haltestelle war, fuhr ich einen Bus eher. Dann mit dem Zug nach Mannheim, weiter nach Frankfurt mit einem sehr unterhaltsamen Lokführer, weiter nach Kassel-Wilhelmshöhe und dann nach Halle. Anschließend mit der S-Bahn nach Hause.

Ein Video aus dem vorherigen Jahr (2024) gibt es unter https://www.youtube.com/watch?v=uanPqcLsRPs.