Störmthaler See (2025)

Meine dritte Seeumrundung im Rahmen der Iron Lake Challenge Sachsen sollte der Störmthaler See bei Leipzig werden. Am 2. April 2025 fuhr ich mit der Straßenbahn Linie 15 bis Probstheida und dann mit dem Bus 141 bis Störmthal – Stadtmitte. Es war ein schöner Nachmittag, aber trotzdem etwas kühl. Ich knöpfte unterwegs mal die Fleece-Jacke auf.

Die Fotos hier im Bericht sind übrigens nicht immer in der „richtigen“ Reihenfolge der Seeumrundung, sondern manchmal thematisch zusammengefasst. Da es manchmal etwas langweilig ist, immer auf einer Asphaltpiste um denselben See zu laufen, sind einzelne Sachen thematisch etwas ausgewalzt.

In Störmthal trifft man gleich auf den ersten Aussichtspunkt auf den See, Vineta und das hübsche Lippendorfer Braunkohlekraftwerk. Um den See herum führt eine sechs Meter breite Asphaltstraße, auf welcher sehr viele Radfahrer Schnellfahren trainierten. Nichts für Ohrstöpsel-Musik. Ich umquerte musiklos den See im Uhrzeigersinn, es ging also nach links.

Der Störmthaler See ist, wie eigentlich alle Seen im Südraum von Leipzig, ein Tagebaurestloch. Der Südteil des Tagebaus Espenhain wurde der Störmthaler See, der Nordteil wurde der Markkleeberger See. Bis heute ist die „Renaturisierung“ nicht abgeschlossen. Als man merkte, dass die Wellen recht stark das Nordostufer zerstören, wurden Buhnen und Wellenbrecher installiert. Wie einst die Menschen wurden nun die Zauneidechsen zwangsumgesiedelt und bekamen neue Wohnungen am Schlumperbachzufluss. Der Bach, der teilweise nur noch als Rohrleitung vorhanden war, wurde 2018 renaturisiert. Das Habitat für die Zauneidechsen ist wohl von 2020.

Am Störmthaler See haben die Verantwortlichen tatsächlich daran gedacht, das Menschen auch mal müssen. Man hat natürlich an Tagebaurestlöchern das Problem, dass niemand eine ewig lange Wasser-/Abwasserleitung oder Abwassergruben bezahlen will. Das Problem hat man umgangen mit Trenn-Trockentoiletten. Die Flüssiganteile werden verdunstet und mit den „Abgasen“ nach draussen geleitet. Am Störmthaler See gibt es drei solcher Toiletten.

Kurz vor der Magdeborner Halbinsel bei Dreiskau-Muckern trifft man auf den Gösel-Canyon und eine Brücke die darüber führt. Eine Brücke mit Dach sieht man ja eher selten. Die Gösel floss bis in die 1960er Jahre genau hier entlang, dann wurde sie wegen des Tagebaus umgelegt. Ab 2010 fließt die Gösel seitdem zumindest nach Starkregenereignissen wieder im alten Bett durchgängig. Bei einem Dammbruch 2013 liess das kleine Bächlein den in Flutung befindlichen Störmthaler See über den geplanten Endwasserstand hinaus ansteigen.

Als nächstes gelangt man zur Magdeborner Halbinsel. Hier kommt man zu Lagovida. Lagovida ist ein Ferienresort mit allen möglichen Unterkünften und einem Hafen für Segelboote. Die Dünenhäuser erinnern ein bisschen an Hobbithäuser und haben einen privaten Sandstrand. Die Ferien-Appartement nenen böse Zungen auch Klein-Prora. Ich wollte eigentlich hier etwas abkürzen, bin dann aber doch durch die Anlage gelaufen.

Auf der Magdeborner Halbinsel ist auch die Anlegestelle zum Besuch von Vineta. Das schwimmende Bauwerk mit einer Höhe von 15 Metern erinnert an die Magdeborner Kirche und ist Mahnmal für die Orte, die dem Espenhainer Braunkohletagebau weichen mussten. Die schwimmende Kirche wird insbesondere für Hochzeiten und Kulturevents benutzt. Auf dem Nordteil der Halbinsel findet auch das Highfield-Festival statt. Ich lief nun weiter auf einer langen Gerade nach Süden, an deren Ende es erstmal bergauf ging.

Dann folgte die langweilige Westseite des Sees. Zeit über die Zickzacklinie auf den Schildern nachzudenken. Auf den „Bergbaugelände“-Schilder im gesamten Leipziger Südraum, aber auch am Gremminer See, findet man die Zickzacklinie eines unbekannten Künstlers. Sollen das Buchstaben sein? Wenn ihr es wisst, schreibt es als Kommentar. Ich rätsele seit 15 Jahren.

An der Westküste gibt es eine Bahnlinie. Am Verrostungsgrad der Schienenoberseite kann man schlußfolgern, dass hier seit Jahren keine Züge fuhren. Das Wasser sah von dieser Seite blauer aus, es gab einen Aussichtspunkt und das dritte Klo. Neben den Radfahrern gesellt sich nun eine Sommerskifahrerin dazu. Ich trank einen halben Liter Multlivitamin-Wasser. Auf dieser Seite des Sees wurde es etwas kälter. Im Norden des Sees wurde es dann wieder interessanter.

Vor der Autobahnbrücke machte ich mal einen kurzen Abstecher zum Bergbau-Technik-Park, um den Absetzer – das größte der dort ausgestellten Geräte – aus der Nähe zu fotografieren. Der Absetzer transportierte Abraum und verkippte ab 1985 die Abraummassen aus dem Vorschnitt und dem Zwischenmittel auf die sogenannte Innenkippe. Ab 1993 schüttete er den Autobahndamm der A38 mit 23 Millionen Kubikmeter auf. Die Autobahnbrücke wird übrigens langsam aber sicher „weggerissen“.

Schleusenanlage mit Blick zum Markkleeberger See

Hier ist die Schleusenanlage, die den Störmthaler mit dem Markkleeberger See verbindet und die Wasserspiegelhöhenunterschiede ausgleicht. März 2021 wurden an den Böschungen des Kanals und der Kanuparkschleuse Schäden und Risse festgestellt. Deswegen wurden Querbauwerke in den Kanal gebaut, wodurch er unpassierbar ist und für drei Monate jegliche Nutzung der beiden Seen untersagt. Seit vier Jahren untersucht man die Probleme. Es wird 2025 weitere Sofortmaßnahmen geben, eine langfristige Lösung ist erstmal nicht in Sicht. Der Weg führt daher oberhalb der Schleusenanlage entlang zu einer kleinen Brücke über die man zur anderen Seite gelangte.

Hier kann man einen Blick auf den Markkleeberger See werfen – ich war ich in meiner Kanuzeit schon sehr oft. Einige Bilder von der Kanuanlage aus dem Jahr 2011 gibt es hier. Nun ging es auf der Ostseite zurück nach Störmthal, unterbrochen von einem weiteren Aussichtspunkt. Für die 22,18 Kilomter brauchte ich 4 Stunden und 16 Minuten – ungefähr 5,2 Km/h. Dann ging es mit Bus und Tram zurück nach Leipzig.

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