Am 14.07.2026 gab es eine weitere Seeumrundung für die Iron Lake Challenge Sachsen-Anhalt: der Concordia-See. Meine letzte Wanderung lag zweieinhalb Monate zurück, da ich noch Wunden auskurieren musste und dann eine Hitzewelle die Wanderlust verdarb. Ich hatte einen neuen Rucksack zum ausprobieren dabei. Zuerst ging es mit der S5X nach Halle. Wie immer musste ich stehen, die S-Bahn war voll, 28°C.



Dann ging es weiter mit dem RE 4 bis nach Nachterstedt-Hoym. Dort wartete ein kleiner Bahnsteig an der eingleisigen Strecke, die sich am Bahnhof aber in drei Gleise aufspaltete. Die Magdeburg-Halberstädter-Eisenbahn-Gesellschaft (MHE) errichtete 1862 die Strecke. Die Ruine des ehemaligen Bahnhofsgebäudes mit dem seltsamen Mittelteil kann man noch ansehen. In den modernen Zeiten gibt es ein Standard-Wartehäuschen der DB.



Das Dorf Nachterstedt lag einst dort, wo heute der Concordia-See ist. Der Tagebau, der die Grube Concordia ablöst, ist ein paar Jahre älter als die Eisenbahn. 1990 wurde die Kohleförderung entgültig eingestellt, die Grube durch die Selke geflutet und 2002 als Concordia-See übergeben. Das Fahrgastschiff Seelandperle zog über den See. Heute gibt es keinen Zugang mehr zum See. Die Nachterstedter haben sich andere Lieblingsplätze geschaffen.



Entlang der Bahnstrecke, auf der Haldenstraße, ging es nun in den benachbarten Ort Froese. Im Wald zum See lag einst ein Werk der IG Farben. Dann ging es „Hinter dem Dorf“ zum Zigarettenautomaten mit angeschlossenem Sportplatz, dem Wasserturm und an der Gemeindeverwaltung vorbei auf der Königsauer Straße zum gleichnamigen See. Die Straße litt an Setzungsrutschen: Slalomfahrt für Autos und Radfahrer. Zum Concordia-See hin sieht man eine Hochkippe.



Im Jahr 2014 fuhr ich mit dem Fahrrad den Europaradweg R1 entlang, der am nördlichen Ufer des Concordia-Sees entlangführt. Ich übernachtete im Reitsportzentrum Seeland in Königsaue. Dorthin führte die Straße nun. Damals war ich genau hier mit dem Rad gefahren um Essen in Nachterstedt zu kaufen. Und hatte mich schon damals über die nummerierten Bäume gewundert. Ich lief nun etwas vorsichtiger, denn die Straße wurde besser und erste Todesopfer lagen auf der Fahrbahn.



Dann folgte ich dem R1 zu einer Streuobstwiese mit Schild und Stempelkasten. Es gab nun auch Sitzbänke, aber in der prallen Sonne wollte ich nicht sitzen. Die Kühe veranstalteten ein Schaulaufen und guckten fotogen in die Kamera. Endlich hatte man ein paar schöne Ausblicke auf den See. Auf der Nordseite gibt es sogar einen kleinen Zugang zum Wasser, der Rest des Sees ist seit 2009 gesperrt. Am gegenüberliegenden Ufer in Nachterstedt hatte sich im Juli 2009 ein schlimmes Unglück abgespielt.



Ein dreihundertfünfzig Meter breiter Landstreifen mit drei Menschen, zwei Doppelhäusern, einer Straße, einem Aussichtspunkt und einem Info-Kiosk verschwanden im See. Die Flutwelle hob ein Schiff am gegenüberliegenden Strand aufs Trockene. Drei Toten, 41 Menschen wurden obdachlos. 2009 sind 4,5 Millionen Kubikmeter Erde abgerutscht und 2016 dann nochmals 1,7 Millionen Kubikmeter Erde. Die LMBV wollte eigentlich bis 2026 die Sanierung der Erdrutsche abschließen und dann mit der weiteren Flutung des Sees fortfahren.



Am Nordufer gibt es einen Fahrrad- und Infostützpunkt mit Sonnensegel und Toilette. Dann gibt es den Zugang zum See mit einem kleinen Hafen und dann die Seeterasse Arche Noah mit Rehgulasch für 12,90 Euro. Ich hatte aber keine Lust auf Essen und ging den Seeweg weiter. Dieser führte nun zurück nach Nachterstedt. An einem Maisfeld guckte mich ein Reh verduzt an und verschwand dann im Gesträuch der gegenüberliegenden Hochkippe. Noch ein halbnakter Radfaher, dann war Nachterstedt erreicht.



Allerdings luckten zuerst die Gebäude von Novelis zwischen den Bäumen hervor. Ich hatte keine Ahnung und musste mal googlen: früher der VEB Leichtmetallwerk Nachterstedt, befindet sich heute das weltgrößte Aluminium-Recyclingwerk der Firma Novelis, einer Tochter des indischen Konzerns Aditya Birla, vor mir. Aha, hier landen also die leeren Cola-Dosen. Auf dem Weg um das Gelände, entdeckte ich die firmeneigene Gaplelstaplerwerkstatt – ja eine sehr große Firma.



Nach der Brücke über die Gleise war ich dann nach drei Stunden wieder zurück am Bahnhof. Große Packung Eis und Feuchttücher. Warten unter einem Baum mit Ameisen. Rückfahrt mit leichter Verspätung. Auf der eingleisigen Strecke reicht ja ein Zug, der die Zeit nicht schafft. Alle von mir umrundeten Seen findet ihr unter Iron Lake Challenge Sachsen-Anhalt. Weitere Informationen und andere Challenges unter rockyourgoal.de.
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