HikeDeluxe (2026)

Eigentlich wollte ich mit diesem Veranstalter nichts mehr machen, aber da war noch eine Rechnung offen: im letzten Jahr musste ich wegen zahlreicher Wespenstiche die HikeDeluxe-Tour in Grimma abbrechen. Dieses Jahr wollte ich die fast 70 Kilometer mal zuende wandern. Der Start in Engelsdorf war von vom Leipziger Zentrum mit der S-Bahn S4 zu erreichen. Diese hatte Verspätung, daher bin ich mit dem RE50 gefahren. Danach noch ein Stück zu laufen.

Zuerst ging es nach Baalsdorf und dann nach Kleinpösna. Für den Bau der Autobahn 14 in den 1930er Jahren entstand am nördlichen Rand des zu Leipzig gehörenden Dorfes eine Kiesgrube. Dafür gab es eine Autobahnanschlussstelle und Seen, die ein beliebtes Naherholungsgebiet sind. Die Autobahn A38 wurde überquert und Albrechtshain folgte. Am Ortsausgang, an der Bahnlinie und mitten im Wald, folgte der erste VP – oder nennen wir es Stempelstelle – bei ungefähr 10 Kilometern. Hier trafen dann auch die Wanderer der HDL-Tour 3 aus Beucha ein.

Auf dem Dreiflügelweg ging es dann weiter zum Ammelshainer See, der im Volksmund Moritzsee genannt wird. Auch hier wurde früher Kies für den Autobahnbau abgebaut und das Restloch geflutet. Der Wanderweg führt am Ufer teils auch auf einem Single-Trail entlang. Dann, zurück auf dem Dreiflügelweg, gab es die Streckentrennung. Die Wanderer der HDL-Tour 1 – also auch ich – entschwanden zum Naunhofer See. Dieser wird Grillensee genannt und entstand wie der Moritzsee.

Nun folgte Naunhof, es war aber nicht viel zu sehen. Am Ende des Ortes kam wieder der Dreiflügelweg und der „Mitten im Wald“-VP 2 bei 15 Kilometern. Hier gab es nicht nur einen Stempel, sondern auch leckeren Kuchen und Limonade. Ein paar Minuten Pause. Fünf Kilometer weiter, am VP3 in Großsteinberg, lüftete ich nochmals die Schuhe. Kleine Blase am rechten Fuß, die man sogar durch die Strümpfe sah. Die ist dann aber nicht aufgegangen. Bis hierher ist es übrigens fast derselbe Text wie vorheriges Jahr. Es ist halt diesselbe Strecke.

Bis hierher war ich mit durchschnittlich 5,8 km/h unterwegs. Nun wurde es langsamer. Es folgten auch die Berge. Zuerst der Windmühlenberg und dann der Lindberg. Am zweiten Berg hatte ich 2025 die umheimliche Begegnung mit einem Wespenschwarm. Diesmal bin ich sehr vorsichtig den Berg hochgelaufen. Die Wespennester waren verschwunden, nur noch ein Loch im Baum. Die traumatischen Erinnerungen von damals kamen hoch.

Der Weg nach Grimma war mir kaum noch in Erinnerung, aufgrund der Wespenstiche war ich diesen Abschnitt 2025 in einer Art Trance gelaufen. Über den Münchteich ging es nach Grimma, dort wurde die Mulde überquert und man konnte von der anderen Flußseite den „Canaletto-Blick“ geniessen. Wieder zurück auf die westliche Seite und nun folgte der VP 4 – ziemlich die Mitte der Strecke. Auf die Wiener hatte ich keine Lust und so setzte ich mich kurz in den Schatten eines Baumes, füllte die Trinkflaschen auf und es ging weiter. Nun habe ich kaum noch Bilder gemacht.

Nun ging es nach Norden die Mulde entlang. Das war sehr idyllisch. Es folgte ein bunter Panzer und eine Pferde-Ranch. Dann eine Autobahnüberquerung mit Höhenmetern. Beim nächsten VP in Trebsen dann Akkordionmusik. Ich machte nun öfters am Wegesrand kleine Pausen, da Übermüdung und Kraftlosigkeit zuschlugen. Eigentlich dachte ich, dass ich der Letzte bin. Aber am VP tauchten Leute auf, die mich schon überholt hatten. Außerdem tauchten nun HDL2-Wanderer auf. Komoot machte nur noch Mist: es wurden zumTeil mehrere Strecken angezeigt. Ich wollte die Navigation aber auch nicht stoppen, um die Strecke neu zu laden.

Nach den VPs in Altenhain (Sportplatz) und Polenz (Auto am Wegesrand) waren noch neun Wanderer übrig: zwei Wanderer, vier Frauen mit Sohn, eine Frau die ihren Mann bei Kilometer 40 einbüsste und ein 76-Jähriger, der aus gesundheitlichen Gründen die 100er nicht mehr macht. Mit der Stirnlampe ging es über Baumstämme und über im Dunkeln kaum erkennbare Wiesenpfade. Dann den Kohlenberg hinauf und wieder hinunter. In Waldsteinberg war dann der 76-Jährige verschwunden. Der Rest ist dann angekommen. Letzter VP in Beucha, keine Kartoffelsuppe, Stirnlampe kaputt. Ab Althen drehte ich nochmal auf, weil ich bis Mitternacht im Ziel sein wollte.

Genau Mitternacht kam ich dann durchs Ziel. Medaille und Urkunde. Also genau 16 Stunden für die 68,9 Kilometer. Das mach 4,3 km/h. Komoot zeigte 620 Höhenmeter und vier Gipfel. Im Ziel gab es noch genug zu essen und zu trinken. Ich musste mich aber sputen, um die letzte S-Bahn S4 zu kriegen, und füllte dann die Trinkflaschen auf, die ich auf den letzten zwei Kilometern zur S-Bahn-Haltestelle in Engelsdorf leerte. Zuhause gegen 01:00 Uhr.

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